Mittwochsspalte vom 5. März 2025
„Die Welt steht am Rand einer irreversiblen Klimakatastrophe“ – ein „globaler Notfall“, so warnen führende Klimawissenschaftler im „Klimabericht 2024“, veröffentlicht in der Zeitschrift BioScience. Die Erde tritt in eine „kritische und unvorhersehbare neue Phase der Klimakrise“ ein, in der ein Großteil der Lebensgrundlage auf der Erde gefährdet sei.
Auf das global heißeste Jahr 2024, das die 1,5 Grad Grenze deutlich riss, folgte der heißeste Januar, der jemals gemessen wurde. Egal wo man hinschaut: die Auswirkungen durch Extremwetter sind schon jetzt katastrophal. Wir müssen uns klarmachen, dass wir alles auf Spiel setzen, was uns lieb und teuer ist: unsere Gesundheit, eine sichere Versorgung mit Nahrungsmitteln und Wasser, eine intakte Umwelt, ein sicheres Leben für unsere Kinder. Trotz allem dürfen wir nicht verzweifeln, sondern müssen uns auf das konzentrieren, was wir verändern können.
Ein Gutachten, das im Dezember im Klimaschutzausschuss vorgestellt wurde, bestätigt: Tübingen wird sein Ziel der Klimaneutralität bis 2030 klar verfehlen. Trotz erheblicher Investitionen in den Klimaschutz bleiben voraussichtlich 200-250 Tausend Tonnen CO₂-Emissionen pro Jahr – rund 50 % des Ausgangswerts von 2019. Ein gerechter Beitrag Tübingens zur Eindämmung der Klimakrise sieht anders aus.
In den Haushaltsverhandlungen haben wir uns deshalb dafür eingesetzt, die Klimaschutz-Investitionen vor Kürzungen zu bewahren. In letzter Minute konnten wir 50.000 € für Förderprogramme und 20.000 € für die Entsiegelung von Parkplätzen sichern – als Bedingung für unsere Zustimmung. Dass wir angesichts der vielen Einschnitte auch im sozialen und kulturellen Bereich mit dem Gesamtergebnis nicht glücklich sind, möchte ich hier nicht verschweigen und ist in unserer Haushaltsrede nachzulesen. Und doch ist in diesen Verhandlungen einmal mehr klar geworden, dass wir mit unseren zwei Sitzen einen Unterschied machen.
Apropos Parkplätze: im Rahmen von Aischbach II soll eine landwirtschaftliche Fläche für einen Parkplatz geopfert werden. Eine Fläche, die uns als CO2-Senke, für Versickerung und für die Nahrungsmittelproduktion verloren geht. Unser Antrag, andere Möglichkeiten zu prüfen, wurde im Verwaltungsausschuss abgelehnt. Es sei für die Firma unzumutbar, auf den Parkplatz zu verzichten. Wann wird es für uns als Gesellschaft unzumutbar, auf die Bewahrung unserer Lebensgrundlagen zu verzichten?